Bromelien

 

Die Familie der Bromeliaceen (Ananasgewächse) umfasst ca. 50 Gattungen mit über 2600 Arten (Stand 1995), von denen viele erst in neuester Zeit entdeckt und beschrieben worden sind. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südöstlichen Nordamerika über Mittelamerika und den karibischen Raum bis ins südliche Südamerika. In den Tropen kommen Bromeliengewächse vom Tiefland bis in Höhen von über 4000 m (in den Anden) vor. Spezielle Anpassungen erlaubten ihnen die Besiedelung unterschiedlichster Lebensräume. Die Bromeliengewächse sind ausdauernde Pflanzen, meist Rosettenpflanzen mit oder ohne Stamm. Die Mehrzahl wächst ohne Kontakt zum Erdboden epiphytisch, d. h. als "Aufsitzer" auf anderen Pflanzen, besonders auf Bäumen.


Pflanzengruppe aus Neoregelien, Vrieseen und Guzmanien
Aus: Baensch, Blühende Bromelien, 1994.

Die größten Pflanzen der Bromelien, einige Alcantarea und Vriesea-Arten, kommen auch auf nackten Granitfelsen, zum Beispiel auf Bergen wie dem Zuckerhut in Rio de Janeiro vor. Ihre Blattrosetten können bis über 15 Liter Wasser auffangen, und ihre Wurzeln dienen lediglich der Verankerung.
Die Bromelientümpel auf den Stämmen und Ästen der Urwaldriesen locken bis zu 300 verschiedene Tierarten an. Zu den kleinsten Bewohnern dieser aquatischen Mikrohabitate gehören Algen. Zu den größten Bewohnern gehören diverse Froscharten und Krabben. Die Bromelienkrabbe Metopaulias depressus durchläuft ihren gesamten Lebenszyklus im Bromelienteich, während andere Arten nur ein Entwicklungsstadium hier verbringen.

Bromelienkrabbe
Metopaulias depressus
 
Pfeilgiftfrösche
Dendrobates quinquevittatus
 

 

Von ganz besonderer Bedeutung für die Lebensweise der Bromelien sind die sogenannten Saugschuppen. Es sind mehrzellige Gebilde, die der Aufnahme von Wasser sowie der darin gelösten Nährstoffe dienen. Sie bestehen aus einem in die Blattoberfläche eingesenkten stiel- oder trichterförmigen Teil und einem aufsitzenden deckelförmigen Gebilde. Gelangt Wasser auf die Schuppen, so wird dieses mit Hilfe von Kapillarkräften in den Raum zwischen Flügelzellen und Epidermis (= Zellen der Blattoberseite) gesaugt. Die angrenzenden Zellen der Saugschuppe nehmen das Wasser auf und leiten es an die tiefer gelegenen Gewebe weiter. Wie „mit Löschpapier“ wird das Wasser aufgesaugt.

 

Saugschuppe im Blattquerschnitt.
Der Weg des Wassers durch die Saugschuppe ist mit Pfeilen gekennzeichnet.
Saugschuppe in Aufsicht
Sie besteht aus 4 Zentralzellen, die von 2 Kreisen konzentrischer Zellen umgeben sind, darauf folgen die länglichen Flügelzellen.

 



Tillandsia usneoides
Aus: Baensch, Blühende Bromelien, 1994.

Die Zisternenbromelien besitzen die meisten Saugschuppen am Grunde der Blattoberseite, also im Bereich der Zisterne. Je weißer die Blätter erscheinen, desto dichter stehen die Saugschuppen. Die Färbung der „grauen Tillandsien“ kommt durch die völlige Reflexion des Lichtes an den luftgefüllten Zellen des Saugschuppendeckels zustande. Werden die Pflanzen befeuchtet, so erkennt man ihre grüne Färbung.
Einige epiphytische Tillandsia-Arten speichern Wasser im Innern des Pflanzenkörpers, nachdem sie es mit Hilfe der Saugschuppen direkt aus Nebel und Tau aufgenommen haben. Mehrere Arten können sich sogar auf nackten Felsen oder auf Telefondrähten und Stromleitungen ansiedeln. Die langen Bärte der bartflechtenähnlichen Tillandsia usneoides, die fälschlich auch "Spanisches Moos" oder "Louisiana-Moos" genannt werden, lassen kaum mehr vermuten, dass es sich um Verwandte der Ananas handelt.

 

 

 

 

 

 

Kletterpflanzen