Kletterpflanzen



Baumstamm eines „Urwaldriesen“, umwunden von Lianen.

Eines der auffälligsten Merkmale des tropischen Regenwaldes ist die große Fülle der Lianen. Mehr als 90% aller Kletterpflanzen kommen dort vor. Diese Lianen stellen keine eigene Pflanzenfamilie dar. Vielmehr stammen sie aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien, die auch nichtkletternde Arten hervorgebracht haben. Die Pflanzen streben an Bäumen und anderen Stützen in die Höhe, um einen bevozugten Platz an der Sonne zu bekommen.

Hat eine Liane einen Baum erklommen, bildet sie Blätter und Blüten aus. Die Blätter und Triebe weiter unten im dunklen Waldesgrund verkümmern. Der oft über hundert Meter lange und dünne Spross der Lianen muss zug- und biegungsfest und doch auch elastisch sein um den Bewegungen der Trägerpflanze standzuhalten. Das geschieht durch entsprechenden Aufbau des Holzkörpers. Außerdem muss der Spross das benötigte Wasser in Kronenhöhe transportieren. Das geschieht durch eine Art Rohrleitung, durch die die Krone Wasser an- saugt. Schneidet man den Stamm einer ausgewachse- nen Liane durch, so kann klares Wasser herausfließen. Es ist fast so rein wie Trinkwasser.


Sprossstück einer Liane, das verdrillt ist wie die Stränge eines Seils. Die nötige Biegungs- und Zugfestigkeit wird durch eine komplizierte Aufspaltung des Holzkörpers in feste Stränge erreicht, die durch ein weiches Gewebe voneinander getrennt sind.

Die dünnen Stämme der Lianen wachsen und wuchern in allen Formen, die man sich nur vorstellen kann. Manche sind hart und gerade wie Rohre, andere wiederum biegsam, ver-wunden und verschlungen wie unaufgeräumte Seile oder Taue. Sogar Knoten, die wie von Menschenhand gemacht zu sein
scheinen kommen vor.

Sie können ein undurchdringliches Dickicht bilden oder sich wie einzelne Seile von den hohen Baumkronen bis zum Erdboden spannen.

Je nach Lianenart gibt es verschiedene Möglichkeiten das Kronendach des Tropenwaldes zu erreichen.


Winden und Ranken
halten sich an den Ästen und Büschen fest, indem ihre Triebe die Stützpflanze umringeln. Sie winden sich mit Hilfe von Blattspitzen oder Sprossen mehrfach um Äste herum und befestigen so die dünnen Stämme der Lianen.


Spreizklimmer suchen mit ihren seitlich abspreizenden oder schräg nach unten gerichteten Zweigen einen stützenden Halt. Häufig festigen sie den Halt noch durch spezielle Dornen, Stacheln oder steife Haare, die an ihren Sprossen ausgebildet werden.


Wurzelkletterer bilden an den Sprossen Haftwurzeln aus, die die Stütze umklammern oder sich so fest mit der Unterlage verbinden, dass man sie nur schwer von ihr trennen kann.

Epiphyten